Ananas vs Kuh: Tolle Alternativen zu Leder

Es gibt so viele schöne  Schuhe, Gürtel, Jacken, dein Lieblingsrucksack – alles aus Leder. Schon als Kind hat man gelernt, dass Schuhe aus „echt Leder“ ja viel besser als die Dinger aus Plastik sind. Was könnte nur schlecht daran sein? Viele wissen gar nicht, wie kritisch die Lederproduktion aus umwelttechnischer und auch ethischer Sicht ist. Das meiste Leder für unsere Produkte kommt aus den Billiglohnländern. Sehr viel wird unter anderem aus Bangladesch oder China importiert. Wieso der Verzicht auf Leder etwas Gutes ist und was es für Alternativen zu Leder gibt erfährst in diesem Beitrag.

Die Gesundheitsrisiken der Lederproduktion

Zum Gerben des Leders verwendet man in der Regel Chrom III Salze, um die Tierhäute haltbar und reissfest zu machen. Bei billigen oder unsachgemässigen Produktionsmethoden kann allerdings leicht das giftige Chrom IV entstehen, was in Europa verboten ist und stark irritierend, allergisierend und sogar krebserregend ist. Dieses giftige Chrom IV kann sich sogar noch im fertigen Leder bilden. Die Gerbereien in Bangladesch oder China, wo häufig auch Mütter und Kinder mitarbeiten, wissen davon in der Regel wenig. Sie stehen ohne Schutzkleidung und sogar barfuss in der Gerbbrühe und leiden oft an schlimmen Krankheiten. Die ganzen Chemikalien aus der Produktion werden einfach in die Flüsse geleitet und die Lebenserwartung der Gerber liegt hier laut WHO bei nur ca. 50 Jahren.

Konfektion Fabrik

Woher kommt Leder?

Der überwiegende Teil der verkauften Lederprodukte stammt von Kuh- und Kalbshäuten. Leder wird jedoch auch aus den Häuten von Pferden, Schafen, Lämmern, Ziegen und Schweinen hergestellt, die ihres Fleisches wegen umgebracht werden. Andere Tierarten werden alleine ihres Felles und ihrer Häute wegen gejagt und getötet. So fallen diesem grausamen Geschäft auch Zebras, Bisons, Wasserbüffel, Wildschweine, Kängurus, Elefanten, Aale, Haie, Delfine, Seehunde, Walrosse, Frösche, Schildkröten, Krokodile, Eidechsen und Schlangen zum Opfer.

Kängurus werden jährlich millionenfach abgeschlachtet, da ihre Haut als erstklassiges Material für Fussballschuhe gilt. Und obwohl die australische Regierung von Jägern verlangt, die Tiere zu erschiessen, sollen verwaiste, junge und verletzte Tiere, laut der Regierung, enthauptet oder hart auf den Kopf geschlagen werden, um „das Gehirn zu zerstören“.

Nachdem Fussballstar David Beckham von diesen grausamen Methoden erfuhr, stieg er im Jahr 2006 auf Schuhe aus synthetischen Materialien um.

Das Leiden der Tiere

Die meisten Lederwaren werden aus der Haut von Rindern (meist Kälbern) hergestellt. Diese stammen bis zu 80% von Milchkühen. Demnach nimmt man bei Lederprodukten in Kauf, dass die Tiere gemäss den ausländischen Tierschutzvorgaben gehalten haben. Zu wenig Platz, zu wenig Licht, Antibiotika, Kastrationen und Entfernung der Hörner ohne Betäubung usw. Dazu kommen der Transport zum Schlachthaus und die Schlachtung. Begehrt ist besonders weiches Leder, welches von jungen Kälbern stammt. Je jünger umso besser: Manchmal stammt das Leder von Kälbern, die erst eine Stunde alt sind, oder auch von geschlachteten trächtigen Muttertieren.

Kuh

Natürlich heisst das nicht, dass alles Leder giftig ist und alle Ledertragende an Hautausschlag und Krebs sterben, oder dass alle Lederstücke von einem schlecht behandelten Tier stammen. Aber die Gefahren und Ursachen, die Leder mit sich bringt, sind zumindest nicht unerheblich und doch mal den Gedanken wert vielleicht auf Lederprodukte zu verzichten. Mittlerweile gibt es auch tolle Alternativen zu echt Leder.

Was ist veganes Leder?

Im Gegensatz zu tierischem Leder, das aus gegerbter Tierhaut besteht, wird veganes Leder aus pflanzlichen Naturstoffen oder aus Kunststoffen hergestellt. Mehr zu veganen Materialien und Mode findest du hier in unserem Blog.

Synthetisches Leder/Kunstleder

Kunstleder ist die am meisten verbreitete Lederalternative. Es wird von sehr vielen unterschiedlichen Herstellern produziert und schwankt entsprechend in der Qualität. Obwohl es auf Erdöl basiert, nutzen hochwertige Kunstleder wie Alcantara umweltfreundliche Herstellungsverfahren und/oder Leder aus recycelten Rohstoffen, wie beispielsweise Plastikflaschen. Kunstleder ist vielseitig einsetzbar, da es leicht bearbeitet und geprägt werden kann. So kann es kostengünstig jeden beliebigen Look imitieren, beispielsweise den von exotischen Häuten.

Lederpapier

Sieht aus wie Leder, ist aber Papier. Besteht in der Regel aus einem Zellulose-Latex-Gemisch. Das Material enthält kein Pentachlorphenol, PVC oder BPA, und ist weder umwelt- noch gesundheitsschädlich. Es ist reiss- und abriebfest, lässt sich schneiden, waschen, bügeln, kleben, rollen, stanzen, prägen, vernähen und ist vor allem bei Hobbynähern beliebt. Wird in Deutschland hergestellt und ist derzeit als Urus Vegatex und SnapPap erhältlich.

Ananasleder

Ananas Anam ist eine spanische Firma, die unter dem Namen Piñatex™ ein Leder aus den Fasern von Ananasblättern herstellt. Die Blätter fallen bei der Ananasernte in den Philippinen als Abfallmaterial an und werden in Spanien in ein „Leder“ verwandelt. Ananasleder wird bereits seit einigen Jahren verwendet und zu Schuhen, Mode und Accessoires (bspw. Armbanduhren und Taschen) verarbeitet, ist zukünftig aber auch für die Automobil- und Möbelindustrie interessant.

Ananas

Apfelleder

Wird derzeit vom Hersteller Frumat in Bozen, Italien, hergestellt und beruht auf Resten der Apfelsafternte, dem sogenannten Trester. Eine erste Mode-Kollektion wurde bereits 2016 auf der Fachmesse Interpoma vorgeführt sowie 2015 ein Lederstuhl. Wie flexibel das Material eingesetzt werden kann, zeigt die Tatsache, dass Frumat aus demselben Rohstoff auch Papier herstellt und 2015 bereits das erste auf Apfelpapier gedruckte Buch erschienen ist.

 

Kork

Kork ist auch bekannt als „veganes Leder“. Es ist ebenso weich und robust, wie Leder, verfügt über eine wunderbare angenehme Haptik und ist 100% nachhaltig. Nicht nur, dass Kork ein nachwachsender Rohstoff ist, regelmässig geschälte Korkeichen schlucken sogar drei- bis fünfmal so viel CO2 wie ein ungeschälter Baum. Ohne die Nachfrage nach Kork werden die Wälder letzten Endes durch andere Nutzpflanzen ersetzt werden, was schliesslich zur Versteppung der Region führen wird. Es ist dieser Aspekt der Industrie, der Kork zu unserem Favoriten macht.

Kork, Eine von vielen Alternativen zu Leder

Pilzleder

Pilzleder, auch als MuSkin bekannt, ist eine weitere Lederalternative, die kürzlich in der Szene aufgetaucht ist. Das Material ist atmungsaktiv, flexibel, von Natur aus wasserabweisend und zu 100% biologisch abbaubar. Es ist mit Hanf- oder Leinenfasern durchzogen, um seine Strapazierfähigkeit zu erhöhen und sich über lange Zeit zu bewähren.

Und du? Was ist dein Lieblingslederersatz? Erzähle uns deine Erfahrung!

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