Ayurveda: Die Praktik des weisen Lebens

Ayurveda, ein Begriff, welchen die allermeisten von uns bereits gehört haben. Mehrheitlich wird es schlicht mit Yogahosen und exotischen Gerichten assoziiert. Dabei steckt viel mehr dahinter! Wenn auch du mehr über die älteste Heilkunst der Menschheit erfahren möchtest, bist du hier am richtigen Ort. In diesem Beitrag gibt es alles Wichtige zu dieser faszinierenden Lebensweise auf einen Blick. 

Ayurveda Wissen vom Leben

Ayurveda mit einem Wort zu beschreiben ist schwierig, denn es ist unglaublich vielseitig. Der Begriff bedeutet in Sanskrit „Wissen vom Leben“. Genauso umfangreich gestaltet sich also auch eine Definition. Als Heilmethode existiert Ayurveda in Asien, insbesondere in Indien. Dort wird es sogar wissenschaftlich gelehrt und gehört zum Alltag mit dazu. In tausenden von Jahren haben indische Medizinmänner Lehren entwickelt, die uns ein gesundes, glückliches Leben ermöglichen sollen. Allerdings entspricht es nicht der evidenzbasierten Medizin, weshalb die Lehre auch immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen hat.

In Europa, beziehungsweise im westlichen Kulturkreis, wird Ayurveda meist für Wellness-Kuren verwendet.

Diese traditionelle Alternativmedizin findet auch bei uns grossen Anklang. Denn es handelt sich dabei nicht um eine therapeutische Einzelmassnahme, sondern um ein ganzheitliches System. Hier werden Erfahrungswerte und Philosophie kombiniert, um für ein gesundes Leben zu sorgen – sowohl physisch, als auch mental, emotional und spirituell.

Grundprinzipien des Ayurveda: Vata, Pitta, Kapha

Im Ayurveda unterscheidet man drei grundlegende Funktionsprinzipien, so genannte Doshas, die in der gesamten Natur wirken und die wir auch in unserem Körper und Geist wiederfinden.

Vata

Vata ist das Bewegungsprinzip und verantwortlich für das Nervensystem, die Atmung sowie alle Bewegungsabläufe im Körper. Dem Vata-Dosha werden die Elemente Äther und Luft zugeordnet. Bei ausgeglichenem Vata fühlt man sich energievoll, froh, enthusiastisch und kreativ; der Geist ist ruhig, klar und wach.

Pitta

Pitta ist für alle Stoffwechselvorgänge verantwortlich. Somit regelt es die Verdauung und die Körpertemperatur. Im geistigen Bereich steht es für einen scharfen Intellekt und Emotionen. Pitta besteht in erster Linie aus dem Feuer-Element. Ist Pitta im Gleichgewicht verleiht es Zufriedenheit, Energie, Sprachgewandtheit, eine starke Verdauungskraft, die richtige Körpertemperatur und einen klaren Geist.

Kapha

Das Kapha-Dosha wird als Strukturprinzip bezeichnet: Es verleiht dem Körper Festigkeit und Stabilität und hält den Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht. Ihm werden die Elemente Erde und Wasser zugeordnet. Ein ausgeglichenes Kapha schenkt Kraft, Ausdauer, ein gutes Immunsystem, Geduld und psychische Stabilität.

 

Ayurveda Balance

Befinden sich die Doshas Vata, Pitta und Kapha in einem harmonischen Gleichgewicht, sind wir gesund, fühlen uns wohl und unser Körper strahlen natürliche Schönheit aus. Diese drei Energien sind nach der ayurvedischen Lehre in jedem Körper unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Mischung bestimmt welches Temperament wir haben, welche Nahrung wir benötigen, zu welchen Krankheiten wir neigen.

Die Anhänger der indischen Heilkunst glauben, dass wenn wir unseren Energietyp kennen, wir mit Hilfe von Ayurveda so leben, essen, schlafen und Sport treiben können, dass wir unsere Energien ins Gleichgewicht bringen.

Welcher Ayurveda-Typ bist du?

Vata, Pitta, Kapha – Ermittle, welche der drei Energien bei dir überwiegt! Der Ayurveda-Test ist natürlich nur eine grobe Bestimmung, die lediglich über deine Selbsteinschätzung verfährt. Wenn du dich ernsthaft für die indische Heilkunst interessierst, solltest du dich an einen Experten wenden. Spass macht es jedoch allemal. Hier kannst du deinen Energie-Typ testen.

Wir haben zwar alle drei Energien in uns, meistens überwiegen jedoch eine oder zwei. Um die Balance im Körper wieder herzustellen, wendet Ayurveda verschiedene Verfahren wie Ernährungspläne, Massagen, Yoga oder ayurvedische Arzneimittel an.

Ayurvedische Ernährungslehre

Ayurveda Ernährung

Nach der indischen Heilkunst ist unsere Ernährung für unsere Energien besonders wichtig. Eine unausgewogene Ernährung bringen Feuer, Wasser, Erde und Luft in unserem Körper durcheinander. Das äussert sich dann in Form von Krankheiten. Es gibt daher für jeden Ayurveda-Typ verschiedene Ernährungsempfehlungen.

Für alle drei gilt:

  • Iss nur, wenn du Hunger hast
  • Verzichte auf Snacks zwischen den Mahlzeiten
  • Nimm mittags deine Hauptmahlzeit ein
  • Iss nie im Stress oder aus Frust
  • Iss dich nicht völlig satt
  • Nimm frische Lebensmittel zu dir
  • Trinke viel Wasser oder Kräutertee

Darüber hinaus sollten in deinen Mahlzeiten am besten alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen enthalten sein:

  • Süss:  regt die Bauchspeicheldrüse an
  • Sauer: stimuliert den Speichelfluss
  • Salzig: regt den Appetit an 
  • Scharf: regt den Stoffwechsel an
  • Bitter: belebt die Leber und reinigt
  • Herb: beruhigt die Magenschleimhaut

Wenn in dir eine der Energien Pitta, Vata, oder Kapha überwiegen, solltest du, laut dem Gleichgewichtsgebot der ayurvedischen Ernährungslehre, bestimmte Nährstoffe verstärken, andere wiederum reduzieren:

  • Vata-Typ: Bist du der zarte, luftige Vata-Typ, neigst du zu Verdauungsstörungen. Du solltest daher warme, leicht verdauliche Mahlzeiten einnehmen. Die empfohlenen Geschmacksrichtungen sind salzig, sauer und süss.
  • Pitta-Typ: Wenn in dir die Energie Pitta überwiegt, hast du ordentlich Feuer. Das gilt auch für deine Verdauung. Du kannst kalte und warme Nahrung zu dir nehmen und verträgst am besten bitter, süss und herb.
  • Kapha-Typ: Wenn du der lehmige Wasser-Erde-Typ bist, solltest du weniger warme Speisen essen. Dafür aber viel frisches Obst und Gemüse. Die besten Geschmacksrichtungen sind für dich scharf, bitter und herb.

Ayurveda-Therapie Massage

Ayurveda Massage

Du kannst neben deiner Ernährung aber auch durch ayurvedische Massagebehandlungen zum inneren Gleichgewicht finden. Drei Klassiker sind die Massagen Shirodara, Mukabhyanga und Abhyanga, die mit warmen Ölen Körper und Geist beruhigen. Mehr über die verschiedenen ätherischen Ölen erfährst du hier.

Beim Shirodara, wörtlich übersetzt «Stirnguss», wird reines Sesamöl langsam und gleichmässig über die Stirn gegossen.

Bei der Mukabhyanga-Massage werden ayurvedische Cremes auf Gesicht, Hals und Dekolletee leicht einmassiert. Ayurveda-Massagen sollen die Energiebahnen stimulieren.

Die Ganzkörper-Öl-Massage Abhyanga hingegen öffnet die Entgiftungskanäle des Körpers. Die Öle werden je nach Typ auf Pitta, Vata oder Kapha abgestimmt und sollen diese beeinflussen.

Drei ayurvedische Tipps, die dein Leben verändern können

Zitronen Ingwer Kräuter Tee

Ayurveda-Tipp 1: Ayurvedische Kräuter

Ein Universal-Kräuter-Präparat, das sich für fast jeden Menschen und jede Konstitution hervorragend eignet, da es alle Doshas gleichermassen reguliert, ist Triphala. Es gehört zu den wichtigsten und am häufigsten verordneten Ayurveda-Kräutermischungen. Triphala fördert insbesondere die Verdauung, Ausscheidung und Entgiftung.

Wenn der Körper optimal verdaut, kommt er in den Genuss der richtigen Nährstoffkombinationen sowie aller benötigten Vitalstoffe. Kann er alle Stoffwechselrückstände vollständig und rasch ausscheiden, sammeln sich keine Schlacken an. Wird der Organismus ausserdem regelmässig entgiftet, dann bleiben die Organe – bis ins hohe Alter – voll funktionsfähig und abwehrstark.

Ayurveda-Tipp Nr. 2: Warmes Zitronenwasser

Ein weiterer sehr einfach umsetzbarer Tipp aus dem Ayurveda ist das morgendliche Trinken von warmem Zitronenwasser.

Man trinkt es unmittelbar nach dem Aufstehen. Dann nämlich ist der Organismus noch in der Ausleitungs- und Entgiftungsphase und noch nicht annähernd für die Nahrungsaufnahme bereit.

Das Trinken von warmem Zitronenwasser entschlackt somit den Organismus, säubert ihn, regt die Verdauung und Ausscheidung an und versorgt gleichzeitig mit Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen.

Ayurveda-Tipp 3: Ingwer

Ein weiteres typisch ayurvedisches Getränk mit hervorragenden Auswirkungen auf die Gesundheit ist der Ingwer Tee.

Ingwer gilt als sehr starke Heilpflanze. Da er so entzündungshemmend wirkt, wird er auch bei sämtlichen entzündlichen Problemen eingesetzt, wie z. B. Arthritis und Colitis ulcerosa (chronisch entzündliche Darmerkrankung). Gleichzeitig soll Ingwer schmerzlindernd wirken.

Ausserdem verbessert Ingwer die Verdauung – sowohl von Fett als auch von Proteinen – und lindert Blähungen. Er kann daher prima bei Völlegefühlen nach dem Essen getrunken werden.

 

Kennst du deinen Energie-Typ schon? Wenn ja, welche Praktiken helfen dir am besten deine Doshas in Balance zu bringen? Teile diese mit uns in den Kommentaren!

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